Eine Rechenaufgabe

Eigentlich müsste es heißen: Warum gibt es keine Satanlagenvermietung mehr?

 

Wäre doch eine feine Sache, für Leute, die lieber eine Satellitenanlage am Haus, als den teuren Kabelanschluss haben wollen. Sie hätten weder Anschaffungs- noch Reparaturkosten und der Kabelnetzbetreiber hätte weiterhin seine monatlichen Einnahmen und keinen Kunden verloren. Auch der Elektriker im Ort hätte feste monatliche Einnahmen, gut für schlechte Zeiten. Die typische win-win Situation!

 

Anfang der neunziger Jahre gab es so etwas, warum jetzt nicht mehr? Die Sat- Schüsseln sind doch seit dem viel billiger geworden! Rechnen wir das doch mal durch.

 

Natürlich können Satanlagen sehr unterschiedlich sein, also müssen wir paar Eckpunkte festlegen. Wir sehen das mal im Beispiel aus Sicht unserer Firma und der Kunde wohnt im Nachbarort.

 

Die Anlage soll für 2 Fernseher in einer Wohnung sein. Das ist für ehemalige Kabelkunden Mindeststandart. Pro Wohnung sind Mehrteilnehmeranlagen auf Grund der längeren Kabelwege und der Multischalter nicht billiger.

 

Der Kunde zahlt den gleichen Monatspreis wie am Kabel(z.B. 6 Euro in Graupa) und stellt und den Platz für die Schüssel unentgeldlich zur Verfügung. Die Vertragslaufzeit beträgt 12 Jahre, danach muss mal was Neues her. Weil er sich aber nicht komplett über den Tisch ziehen lassen will, lässt er sich die züsatzlichen Stromkosten erstatten.

Der Satreceiver braucht 36W mehr Strom als der Kabelreceiver, also 2 Receiver mal 0,036KWh mal 8 Stunden pro Tag mal 365 Tage geteilt durch 12 Monate mal Stromkosten 25 Cent/KWh ergibt 4,38€ pro Monat. 6 Euro minus 4,38€, der Kunde zahlt also 1,62 Euro im Monat, unser erster Wert.

 

Vorhandenes Kabel können wir nicht verwenden, es gehört dem Kabelbetreiber(Diebstahl) oder es ist nicht tauglich. Rechnen wir hier etwas schlechter als der Durchschnitt ist.

 

Wir müssen die Schüssel erden(Vorschrift!). Setzen wir Voraus, dass das Gebäude gut geerdet ist und eine Potenzialausgleichschiene hat. Hier rechnen wir etwas besser als der Durchschnitt ist.

 

Wir reden dem Kunden eine Wandhalterung ein, weil Dachmontage erheblich teurer ist.

 

Wir nehmen eine Anlage von mittlerer bis guter Qualität. ca. 300 Euro Materialkosten plus 2 mal 8 Stunden Arbeitslohn inkl. Erdung, Kabel usw. zum Selbstkostenpreis inklusive Steuer, Messtechnik usw. also 16 Euro die Stunde mal 16 Stunden ergibt 556 Euro. Über die Vertragslaufzeit verteilt, also durch 12 Jahre durch 12 Monate ergibt monatlich 3,86 Euro Anschaffungskosten, unser zweiter Wert.

 

In den letzten 20 Jahren gab es 4 Systemumstellungen, Kopernikus auf Astra, Mono auf Stereo, 10 auf 9,75 GHz und analog auf digital, HD rechnen wir noch nicht mit. Wir haben also alle 5 Jahre Umstellungskosten von ca. 150 Euro Material und 6 Stunden ergibt 246 Euro. Geteilt durch 60 Monate, errechnen sich die monatlichen Umstellungskosten auf 4,10 Euro, unser dritter Wert.

 

Es gibt immer wieder Kleinigkeiten zu machen und es geht auch mal was kaputt. Außerdem verlangen ehemalige Kabelkunden entsprechenden Service. Mit 40 Euro Wartungskosten im Jahr liegen keinesfalls zu hoch. 40 Euro geteilt durch 12 Monate ergibt 3,33 Euro monatliche Wartungskosten, unser vierter Wert.

 

Rechnen wir zusammen:

4,86 Euro Anschaffungskosten

+4,10 Euro Umstellungskosten

+3,33 Euro Wartungskosten

 

Summe Kosten: 12,29 Euro abzüglich 1,62 Euro vom Kunden ergibt einen Verlust von 10,67 Euro im Monat.

 

Über die Vertragslaufzeit 12 Jahre wären das, 12 Jahre mal 12 Monate mal 10,67 Euro 1.536,48 Euro Verlust.

 

Also, so rechnet sich das nicht! Man könnte noch den Kunden vertraglich dazu verpflichten, nur 2 Stunden täglich fernzusehen.

Wäre zwar weniger Verlust, wir rechnen stundenlang weiter oder sagen: Bringt alles nichts, der Kunde muss mindestens 12 Euro im Monat zahlen! Tut er aber nicht, er zahlt weiter seine 6 Euro Kabelgebühren.

 

Jetzt wissen Sie, warum es keinen Satanlagenverleih mehr gibt.

 

Frage: Aber wieso sieht man dann so viele Satanlagen in Orten, wo auch Kabelfernsehen angeboten wird?

 

Unsere Antwort ist, um nicht Pleite zu gehen müssen Firmen rechnen, Privatleute müssen das nicht! Ein Schelm wer "können" denkt Zwinkernd!